Peter Milde: Sozialpädagogik mit männlichen Gefangenen im Spannungsfeld von aktueller Betreuung, Resozialisierung und Therapie

Pädagogik im Gefängnis statt »Gefängnispädagogik« – theoretische Überlegungen und Erfahrungen

Titel Milde

584 Seiten, Frankfurt am Main 2013, ISBN 978-3-943059-05-2 ● 49,80 Euro

In der vorliegenden Studie reflektiert der Autor die alltägliche Praxis der sozialpädagogischen Arbeit mit Gefangenen. Das geschieht vor dem Hintergrund einer detaillierten Analyse und Diskussion der historischen Entstehung von Strafe und ihren gesellschaftlichen Funktionen. So wird zunächst die Entwicklung von Formen der Rache hin zu staatlich durchgesetzten Strafen und deren philosophisch-theologischen Begründungen aufgezeigt, von antiken und mittelalterlichen Strafpraktiken zur bürgerlichen Straftheorie und ihrer Kritik, von Marx über Adorno bis hin zu Foucault. Auf dieser Grundlage werden die Sozialpädagogik – mit ihren Facetten von Binding über Liszt bis Nohl – und die reformerischen Überlegungen der Weimarer Republik zusammengefasst, um daran anschließend den Ansatz von Fritz Brauer auch als grundlegenden Ausgangspunkt der eigenen sozialpädagogischen Praxis in Gefängnissen vorzustellen.

Im zweiten Teil der Arbeit erfolgt eine vielschichtige Behandlung der Realität des Gefängniswesens, ausgehend von einer empirischen Darstellung der Situation in Deutschland, von der historischen Entwicklung in der Weimarer Zeit und der NS-Zeit bis zu den Gesetzen, Richtlinien und Praxen des Strafvollzugs in der Bundesrepublik.

Auf dieser Grundlage wird im dritten Teil anhand von drei Fallstudien die sozialpädagogische Praxis mit Gefangenen auf der Basis des personenzentrierten Konzepts der Beratung von Carl Rogers rekonstruiert und als Alternative zum offiziellen Resozialisierungskonzept und zum Alltagsverständnis von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern vorgestellt.

Abschließend wird – ohne aus dem Dilemma von vorgegebenen Strukturen einerseits und humanistischem Anspruch andererseits ausbrechen zu können – die Rolle von Sozialpädagogik in Gefängnissen als Vorbereitung auf das Leben außerhalb des Gefängnisses, aber auch als Hilfe während der Zeit im Gefängnis thematisiert und deren strukturelle Bedingungen problematisiert. Das geschieht in dem Bewusstsein, dass diese Strukturen absehbar nicht grundlegend zu verändern sind, weshalb es umso bedeutsamer ist, sie zu durchschauen, um trotzdem über Möglichkeiten von am Individuum orientierten konkreten Hilfestellungen nachzudenken.


Über den Autor:

Peter Milde, geboren am 14. April 1953 in Frankfurt am Main, 1972 Abitur am Gymnasium Musterschule in Frankfurt am Main. 1972–1981 zuerst Chemiearbeiter, ab 1977 Chemielaborant in der Hoechst AG in Frankfurt-Höchst. 1981–1986 Studium der Sozialarbeit an der Fachhochschule Frankfurt am Main, 1986–1989 Diplom-Sozialarbeiter beim Bund Deutscher Pfadfinder e. V. mit den Schwerpunkten sozialpädagogische Betreuung von Kinder- und Jugendgruppen, -lagern, -fahrten und internationalen Jugendbegegnungen, seit 1989 Diplom-Sozialarbeiter in verschiedenen hessischen Gefängnissen.

Der Autor qualifizierte sich an der Fachhochschule Frankfurt am Main 1992–1994 in »Personzentrierter Gesprächsführung« und 1995–1998 in »Personzentrierter Beratung und Krisenintervention« und 1999–2000 an der Universität Mainz in »Psychotherapie von Täterpersonen im Kontext von sexuellem Missbrauch und anderen Sexualdelikten«. Parallel zu seiner Berufstätigkeit studierte er am Institut für Psychoanalyse und am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Universität Frankfurt am Main und legte 2012 die Ergänzungsprüfung für die Zulassung zur Promotion ab.

Die hiermit veröffentlichte Dissertation wurde am 14. Juni 2012 dem Promotionsausschuss des Fachbereichs Erziehungswissenschaften der Johann Wolfgang Goethe-Universität zu Frankfurt am Main vorgelegt. Die mündliche Prüfung wurde am 18. Dezember 2012 abgelegt.

Advertisements