Marietheres Triebe / Benjamin Ortmeyer: Die schulspezifische ideologische Ausrichtung der Lehrkräfte in der NS-Zeit

Teil I bis III

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Teil I – Marietheres Triebe: NS-Ideologie in der NSLB-Zeitschrift »Die deutsche Sonderschule« 1934–1944

452 Seiten ● Frankfurt am Main 2017 ● ISBN 978-3-943059-23-6 ● 39,80 Euro

Die Zeitschrift »Die deutsche Sonderschule« wurde als schulspezifisches Organ der Reichsfachschaft Sonderschulen des Nationalsozialistischen Lehrerbunds (NSLB) herausgegeben, um speziell die Lehrkräfte im Sonderschulbereich mit der NS-Ideologie zu indoktrinieren.

Im Vordergrund steht die Erklärung des »Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses« sowie Fragen der praktischen Auswirkungen in speziellen Schultypen, gerade auch in der »Hilfsschule«. Die Kategorie des »brauchbaren Hilfsschulkinds« impliziert die Aussonderung der als nicht brauchbar angesehenen Schulkinder, eine Vorstufe zu deren Sterilisation und später zu deren Ermordung. Die Sterilisation dabei wird als nötiges »Opfer für das deutsche Volk« pseudomoralisch unterfüttert.

In dieser Zeitschrift wurde diskutiert, wie Akten über Krankheiten von Kindern und über deren Familien erfasst und archiviert werden sollten. In vielerlei Hinsicht ging es außerdem darum, die sogenannten »Asozialen« zu identifizieren und als »erbkrank« zu charakterisieren.

Insgesamt wird die besondere Bedeutung der Sonderschule für die »Reinerhaltung des deutschen Volkskörpers« – wie es im NS-Jargon hieß – herausgestellt. Dies geschah im Rahmen der rassistischen Hetze gegen Sinti und Roma und gegen die jüdische Bevölkerung in Deutschland.

 

Teil II – Benjamin Ortmeyer: NS-Ideologie in der NSLB-Zeitschrift »Die Deutsche Volksschule« 1934–1944

278 Seiten ● Frankfurt am Main 2018 ● ISBN 978-3-943059-24-3 ● 24,80 Euro

Die Zeitschrift »Die Deutsche Volksschule« (zunächst unter dem Titel »Der Neue Volkserzieher«, später »Der Deutsche Volkserzieher«) wurde als schulspezifisches Organ der Reichsfachschaft Volksschule des Nationalsozialistischen Lehrerbunds (NSLB) herausgegeben, um speziell die Lehrkräfte im Volksschulbereich mit der NS-Ideologie zu indoktrinieren.

Charakteristisch für diese Zeitschrift ist, dass kein besonders hoher Aufwand betrieben wurde, um die angeblich wissenschaftlichen Theorien über »Rasse« und Vererbung zu erklären und zu vermitteln, schließlich wechselten mehr als 90 % der damaligen Schülerinnen und Schülern nicht auf weiterführende Schulen, sondern verblieben in der Volksschule.

Das »Völkische« steht bei der Argumentation meist im Vordergrund; verwendet wird eine eher grobe Variante der NS-Sprache, mit Ausfällen gegen die jüdische Bevölkerung in Deutschland, mit Betonung der bäuerlichen »Blutquelle« und mit – nicht ohne eine gewisse Redundanz vorgetragenen – Lobliedern auf die angeblich »rassische« Basis der konstruierten »deutschen Volksgemeinschaft«.

Aber auch die an Ernst Krieck orientierte Forderung nach einer akademischen Ausbildung für Volksschullehrerinnen und Volksschullehrer wird in dieser Zeitschrift diskutiert.

 

Teil III – Benjamin Ortmeyer: NS-Ideologie in der NSLB-Zeitschrift »Die Deutsche Höhere Schule« 1934–1944

300 Seiten ● Frankfurt am Main 2018 ● ISBN 978-3-943059-25-0 ● 24,80 Euro

Die Zeitschrift »Die Deutsche Höhere Schule« wurde als schulspezifisches Organ der Reichsfachschaft Höheren Schulen des Nationalsozialistischen Lehrerbunds (NSLB) herausgegeben, um speziell die Lehrkräfte im Bereich der Höheren Schulen mit der NS-Ideologie zu indoktrinieren.

Die Autorinnen und Autoren dieser Zeitschrift sind bemüht, sich in Sprache und Themenwahl als Vertreterinnen und Vertreter einer höheren Bildung zu präsentieren. In Auseinandersetzung mit dem bisherigen Bildungskanon wird die NS-Ideologie als Mittel gegen Humanismus auf völkisch-rassistischer Grundlage Thema für Thema ausgebreitet.

Ob und wie Platon für Gedanken der »Rasse« eingetreten sei, wird ebenso behandelt wie die Frage, ob die alten Griechen überhaupt mit der »nordischen Blutsgemeinschaft« in Verbindung gebracht werden können oder wie die verschiedenen Bereiche der Geisteswissenschaften »rassisch« geprägt seien.

Das Prinzip der Auslese einer Elite der »deutschen Herrenrasse« wird in dieser Zeitschrift begeistert unterstützt. Der klassische Gymnasiallehrer mit seiner elitären Grundhaltung begründet nun – verknüpft mit der NS-Ideologie –, warum nur die Besten auf Höhere Schulen gehen dürften und wie gut und wichtig es sei, dass der elitäre Charakter dieses Schultyps erhalten bleibe.

Rassismus, »Rassenhygiene« und Judenfeindschaft sind selbstverständliche Bestandteile der Beiträge in dieser Zeitschrift, die ein breit gefächertes Themenfeld behandeln.

 


 

Über die Autor/innen:

Marietheres Triebe promoviert am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main zur NSLB-Zeitschrift »Die deutsche Sonderschule«.

Benjamin Ortmeyer ist apl. Professor an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. 1996 erhielt er für seine Arbeit den Heinz-Galinski-Preis der Jüdischen Gemeinde Berlin. Er leitet die Forschungsstelle NS-Pädagogik an der Goethe-Universität.

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